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| Herbert W. Franke - Computer und Kreativität |
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Ein Synonym für Information ist Komplexität, und beider Gegenpol ist die Ordnung. Computer sind ordnungserzeugende Maschinen, und gleichzeitig sind sie komplexitätsverringernde, informationsvernichtende Maschinen (im besten Fall bleibt die Information erhalten). Darin unterscheiden sie sich von den Gehirnen, die Information hervorbringen können - was sich speziell beim Problemlösen bestätigt. Da in unserer Welt als einziger informationserzeugender Prozeß der echte physikalische Zufall in Frage kommt, darf man vermuten, daß es Quantenprozesse in den miniaturisierten Schaltsystemen der Nerven sind, die dort den Zufall verfügbar machen. Der vom Menschen hervorgebrachte Zufall äußert sich unter anderem in Ideen. Nur ein winziger Teil davon ist brauchbar. Das meiste davon verwirft der Urheber, manchmal spontan, fast ohne Zeitverzug, manchmal nach umfassender Analyse. Dieser Ausleseprozeß ist stark von der Intelligenz abhängig, er ist selbst aber kein kreativer Prozeß, er folgt der Deduktion und könnte somit prinzipiell auch einem Computer überlassen werden. Die Intelligenz des Betreffenden zeigt sich im übrigen nicht in der Menge der spontanen Einfälle, sondern in der zielgerechten Auslese. Aus dieser Überlegung geht weiter auch hervor, wie man ein Gehirn konstruieren müßte: nämlich als Kombination zwischen einem Computer und einem Zufallsgenerator. Aus diesen Überlegungen geht schließlich hervor, wie man einen Computer beim Problemlösen einsetzen kann: Die Idee muß vom Benutzer kommen, bei der Analyse ist der Computer behilflich. Da in Problemlösungsprozessen mehrfach Ideen entwickelt, untersucht, verworfen oder weiterverwendet werden, unterbrochen von Analyseprozessen, läßt sich der Computer eng in alle Aktivitäten integrieren, bei denen Probleme zu lösen sind. Da er die analytischen Teile des Handelns stark abkürzt, ist der Benutzer genötigt, die zur Einleitung der nächsten Phase nötigen Ideen viel schneller als bei der klassischen Arbeitsweise hervorzubringen. Das ist die Herausforderung, die der Computer an die kreativen Fähigkeiten des Menschen stellt.
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