Hendrik Purwins

Musiker und Wissenschaftler, CCRMA Stanford / TU Berlin

Sonntag, 10.10.99, 10.00 Uhr

"Tonart als statistische Verteilung: Geometrie, Psychologie, Neuronale Netze und Computeranalyse"

Es wird ein torusförmiges geometrisches Modell vorgestellt, das die Verwandtschaften zwischen unterschiedlichen Tonarten veranschaulicht. Es wird eine geometrische Herleitung aus Schönbergs Harmonielehre gegeben. Die gleiche Struktur entsteht auch, wenn einfache Kandenzen von einem Ohrmodell im Computer vorverarbeitet und dann von einem Prozess des unüberwachten Lernens (Kohonen-Karte) klassifiziert werden. Diese geometrische Struktur bildet sich auch heraus, wenn gemittelte const-q Profile aus den 24 Chopin-Präludien in einer Aufnahme von 1933/34 (Cortot) von der Kohonen-Karte geclustert werden. Ein const-q Profil ist ein 12-dimensionaler Vektor, in dem jeder Eintrag ein Tonchroma repräsentiert. Durch solche Profile können Tonarten und Tonzentren gut repräsentiert werden. Die const-q Profile werden dabei durch die const-q Filterbank (Brown & Puckette 92) berechnet. Diese Filterbank liefert überall die gleiche Auflösung im logarithmierten Frequenzbereich. Die cq-Profile werden eingesetzt zur automatischen Erkennen von Modulationen, und zur Analyse des Komponisten-spezifischen Gebrauchs unterschiedlicher Chromata bei Bach, Chopin und Alkan. Dabei stellt sich heraus, dass die Gestalt der const-q Profile von Stück zu Stück und von Komponist zu Komponist sehr wenigen Veränderungen unterworfen ist. Die vorgestellten Ergebnisse gingen aus einer Zusammenarbeit mit B. Blankertz (Mathematik, Uni Münster) und K. Obermayer hervor.

Kurzbiographie:

Aufgewachsen in München, Genf, Zürich und Münster. Wehrdienst als Geiger in Kammerorchester- und Streichquartett-Konzerten im Stabsmusikkorps. Studium der Mathematik und Informatik in Bonn und Münster (im Diplom alle Einzelnoten 1). Studien in Musikwissenschaft (Uni Münster), Computermusik (Musikhochschule Köln: C. Barlow, HdK Berlin, CCRMA Stanford) sowie Schauspiel (HdK Berlin: A. Rattinger, Peter Stein). Sommerkurse in Neuro bei Wolf Singer und in Zeitreihen bei Andreas Weigend. Promotion in der Arbeitsgruppe Neuronale Netze (Klaus Obermayer, TU Berlin) mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Forschungsaufenthalte am CCRMA Stanford (J.O. Smith) und McGill, Montreal (Al Bregman). Veröffentlichungen in JNMR (akzeptiert). Lehraufträge an der TU und der HdK, Berlin. Schauspieler in freien Gruppen. Komponiert für Kammerchor, Tonband, Tänzer/Schauspieler/elektrische Violine. Aufführung auf den Dresdner Tagen für Neue Musik.

web-sites:

http://unuk.cs.tu-berlin.de/~hendrik/

 
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